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Feier 20 Jahre KulturForum Starnberg

Süddeutsche Zeitung vom 22. 6. 2009


Berichterstattung, Süddeutsche Zeitung 21.6.2009

 


"Wir sind Kultur"
Rede Gert Heidenreichs anlässlich den 20jährigen Jubiläums des Kulturforums Starnberg am 19. Juni 2009

Link:

http://www.kulturpixel.de/artikel/148_Gert_Heidenreich_Wir_sind_Kultur_Bernd_Ingo_Friedrich_Kulturpixel


 

Gründungsversammlung am 21. April 1989  

Marktplatz für Aktionen, Ideen und Austausch

Über die Ziele des neuen Kulturforums der Sozialdemokratie im Landkreis

Starnberg - Los geht es mit den Aktionen des Ende März konstituierten „Kulturforums der Sozialdemokratie" für den Bereich Fünfseenland und darüber hinaus. Am 7. Mai, um elf Uhr, wird im Münchner Hof in Starnberg der erste „Stammtisch" der für jeden ersten Sonntag im Monat geplanten Reihe vonstatten gehen. Wie sich der vorläufige Vorstand, dem nach einer ersten ordentlichen Mitgliederversammlung ein offiziell gewählter Vorstand folgen wird, die Arbeit der neuen Institution vorstellt, wurde bei einem Pressegespräch umrissen.

„Kultur woanders suchen als bei Blasmusik und Folklore", sagte Beisitzer Peter Hanke aus Tutzing, und Carola Merseburger, stellvertretende Vorsitzende, ergänzte „... oder bei Konzert und Theater im Abendkleid". „Provokante Sachen aufgreifen, die sonst nicht gemacht werden" will der Beisitzer Johano Strasser, „das Thema Heimat anders sehen denn als Idylle, die Heimat nicht ist" oder „dem Geschichtsbewußtsein der Orte hier nachgehen". Gisela Heidenreich, die Vorsitzende, sieht in der wachsenden Ausländerfeindlichkeit .Anlaß, sofort zu beginnen, ein Forum auch für europäische Aspekte und europäische Kultur zu sein".

So wäre vor lauter Plänen beinahe das Naheliegende untergegangen: Was ist das „Kulturforum der Sozialdemokratie" und wie funktioniert es? Es ist die dritte Einrichtung dieser Art in der Bundesrepublik. Die erste, in Bonn, hat schon Tradition, die zweite, in München, besteht erst seit wenig mehr als einem Jahr, hat aber durch einige Aktionen Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Dem nunmehr dritten Streich wurde im vorläufigen Vereinsnamen die Einengung auf den Landkreis Starnberg mitgegeben. Doch daran wird noch herumgebastelt werden, denn es sollen Bereiche des Landkreises Weilheim am Südende des Starnberger Sees, zumindest der Norden des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen mit seinen Kulturorten Ammerland und Ambach und dem rührigen Icking einbezogen werden. Dazu auch die alte Kulturlandschaft am Westufer des Ammersees und das Würmtal.

Die Form wird ein gemeinnütziger, eingetragener Verein sein, so daß der fiskalische Weg frei ist für Spenden. Den Mitgliedsbeitrag will man mit achtzig Mark im Jahr bewußt hoch ansetzen (Nichterwerbstätige dreißig Mark), damit die angestrebte „absolute Autonomie", die allein nur Unabhängigkeit verheißt, gewährleistet ist. Eintrittskarten zu kulturellen Veranstaltungen sollen ebenfalls nicht zu billig sein.

A propos Unabhängigkeit: Politische Gängelung wird ausgeschlossen. „Kulturforum der Sozialdemokratie", das solle nicht mehr sein als das Anzeigen einer Richtung", stellte Carola Merseburger fest. Auf politisch Ungebundene, die ein Forum, einen „Marktplatz für Aktionen, Ideen und Austausch" suchen, rechnet man fest. Sie sollen auch in das noch zu gründende Kuratorium gebeten werden.

Von den Kuratoriumsmitgliedern wird Fachkompetenz in einer der Sparten der breiten Palette erwartet: Von Religion und Bildender Kunst über Literatur und Kabarett bis Architekturberatung für Kommunalpolitiker und Naturwissenschaft. Auf keinen Fall jedoch soll das Forum „ein Vorfeld für SPD-Politik" sein. Daß es aber dennoch letztlich eine politische Einrichtung ist, darüber ist man sich klar.

Da es Absicht ist, „die kontroverse Meinung und die Konfrontation nicht zu scheuen" (Gisela Heidenreich), wird die erste große Veranstaltung ein Kabarett sein mit Hildebrandt, Busse und Basedow. Für den Tag der Europawahl, nicht vorher, damit das Argument des Wahlkampfs ausgeschlossen bleibt, ist eine literarische Matinee mit Texten von Enzensberger vorgesehen.

Das Motto insgesamt, hinter dem das Team steht: Aus der alten SPD-Tradition von Humanismus und Aufklärung durch Darlegung von Hintergründen „Durchblick" vermitteln, der Entscheidungshilfen gibt, einer dringend wieder benötigten politischen Kultur auf die Spuren kommen und Zugangssperren zu elitären Zirkeln abbauen. Vereinsmeierei, so lautet das Bekenntnis, wird es nicht geben.

INGRID ZIMMERMANN